In Gedenken an Wolfgang Roloff - Ronny

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© Bilder by Wolfgang Roloff, Norbert Unfried, Gerd Ziemke 2018
Jürgen Wagner Telefunken  55 595 (1967) Glory, Glory Halleluja ( Hausmann - Jorge  )   Muß wandern, muß wandern ( Roloff - Hee ) Bemerkung: Bürgerlich:  Wolfgang Christiansen auch als "Rocky und die Montana Boys"
Jürgen Wagner Telefunken  55 592 (1965) Weine nicht, mein Darling ( Fischer - Nicolas )    Ihr Mädchen so schön ( Hausmann - Jorge ) Bemerkung: Bürgerlich:  Wolfgang Christiansen auch als "Rocky und die Montana Boys"
Jürgen Wagner Telefunken  55 582 (1964) Majorie ( Hausmann - Jorge  )   Ich danke dir ( Roloff - Börner - Roloff ) Bemerkung: Bürgerlich:  Wolfgang Christiansen auch als "Rocky und die Montana Boys"

Jürgen Wagner

Rocky und die Montana Boys Imperial 103  (1962) Frühling War Es Am Blue River ( Simson - Roloff  )  Montana ( Dali - Roloff ) Bemerkung: Pressung Holland
Rocky und die Montana Boys Mandolino AK 506  (1962) Frühling War Es Am Blue River ( Simson - Roloff  ) Montana ( Dali - Roloff ) Bemerkung: Rocky und die Montana Boys Erste Stimme war Wolfgang Christiansen ( bekannt als Jürgen Wagner ) sowie mit Wolfgang Roloff und Rolf Simson
Rocky und die Montana Boys Austroton LL 15  (1962) Frühling war es am blue river ( Simson - Roloff  )  Montana ( Dali - Roloff ) Bemerkung: Pressung Österreich
Rocky und die Montana Boys Silberhit  DS 15 051 (1962) Montana ( Dali - Roloff ) Bemerkung: Pressung Österreich
Rocky und die Montana Boys Mandolino AK 506  (1962) Frühling War Es Am Blue River ( Simson - Roloff  )    Montana ( Dali - Roloff )   Bemerkung: Musterplatte, Habe ich Geschenkt bekommen von Wolfgang Christiansen, vielen Dank  dafür.
Nun habe ich auch die Geschichte über Jürgen Wagner fertiggetellt. Für die Unterstützung bei der Arbeit danke ich Gerd Ziemke und Tinu Anneler.
Jürgen Wagner: Ronny-Klon, aber nicht Heino-Ersatz
Der Bremer Jürgen Wagner ist ein Produkt des Sängers und Produzenten  Ronny. Mitte der 60er Jahre sollte Wagner als Ronny-Klon ins Rennen geschickt werden. Mit Erfolg: Wagner erreichte mit dem Titel „Majorie“ die österreichische Hitparade. Später versuchte Ronny den Sänger als Ersatz-Heino aufzubauen, was am Widerstand Wagners scheiterte. Jürgen Wagner ist einer jener raren Künstlern, die im Ausland zu Hitparadenehren kamen, im eigenen Land jedoch ohne Chartsnotierung blieben. Mit den Nummern „Majorie“ und „Glory, Glory, Halleluja“ klassierte sich Wagner mit zweimal in der österreichischen Hitparade.
Jürgen Wagner ist in einer Reihe zu sehen mit Randy Scott und Helmut  Schmidt. Alle drei stammten aus Deutschland und nahmen da Schallplatten   auf. Die Chartserfolge jedoch stellten sich im Nachbarland Österreich ein. Wagner unterscheidet sich von seinen beiden Kollegen. Im Gegensatz zu Schmidt und Scott absolvierte er kaum Liveauftritte. Seine öffentliche Präsenz konzentrierte sich auf wenige Fernsehauftritte und Promotouren durch die Radiostudios von Westdeutschland.
von Wälz Studer
Jürgen Wagner ist 22. März 1929 als Wolfgang Christiansen in Schlesien auf die Welt gekommen. Nach dem Krieg liess er sich 1948 in Bremen nieder. Nach verschiedenen Jobs auf dem Bau und im Hafen machte er sich selbständig. Er baute eine Kellerruine zu einer Bar aus. 1955 eröffnete er ein Tanzlokal, das er Palette nannte. In dieser Zeit lernte Wagner den Musiker und Sänger Ronny kennen. Ronny suchte damals nach einen grossen Raum, den er als Studio nutzen konnte. Wagners Tanzlokal, das tagsüber leer stand, schien ihm die geeignete Lokalität, weil dort Musiker ein- und ausgingen und ständig Instrumente auf der Bühne standen. Wagner und Ronny einigten sich, so dass Wagners Tanzschuppen zu  Ronnys erstem Studio wurde. Die Nutzung ging auch weiter als Wagner sein Tanzlokal in eine Diskothek umwandelte. Wagner erinnert sich an prominente Künstler, die bei ihm ein- und ausgingen: „Da waren Camillo Felgen, Rudi Carrell oder Dieter Thomas Heck und später auch Heintje dabei.“
Start als „Rocky und die Montana-Boys“
Wagner interessierte sich für die Tätigkeit seines Untermieters und kiebitzte öfter bei Plattenaufnahmen. Eines Tages hatten Ronny und der Musiker und Sänger Rolf Simson ein Playback fertig gestellt, bei dem die  Leadstimme fehlte. Ronny ermunterte den Wagner, sich als Sänger zu versuchen. 1962 erschien der Titel „Frühling am Blue River“ auf dem Billiglabel „Mandolino“. Die Interpretenbezeichnung lautete „Rocky und die Montana Boys“, wobei „Rocky“ für Jürgen Wagner steht und „Montana Boys“ für Ronny und Simson.
Die Gesangskünste haben Ronny offenbar nicht stark beeindruckt. Denn  erst zwei Jahre später holte er seinen Vermieter wieder vors Mikrofon. Mitte 1964 nahm er mit Jürgen Wagner den Titel „Majorie“ auf. 1964 ist Ronnys erfolgreichstes Jahr. Er feierte mit „Oh my Darling Caroline“ und  „Kleine Annabell“ seine beiden einzigen Nummer-Eins-Hits. Offenbar wollte Ronny den Erfolg als Sänger nutzen, um den Einstieg ins Produzentenfach zu finden.
Wagner entert die österreichischen Charts mit „Majorie“
Vierzehn Tage bevor sein zweiter Nummer-Eins-Hit „Kleine Annabell“ in Deutschland in die Charts ging, stieg „Majorie“ mit Jürgen Wagner in Österreich in die Hitparade ein. Die Nummer blieb zwei Monate klassiert und stieg bis Platz zwölf hoch. Das österreichische Hitlexikon notiert für Jürgen Wagner lakonisch: „Der Sänger und Gitarrist kam im Stil von Ronny in Österreich zu zwei Hits, in Deutschland blieb er trotz grossen Werbeaufwands unplaziert.“ Die Aussagen sind zu relativieren. Wagner scheute eben grade den grossen Aufwand. Er war nicht bereit, Geschäft und Beruf aufzugeben. Er wollte kaum Konzerte geben und war schwer für Senderbesuche zu gewinnen, um seine Debütsingle zu promoten. Immerhin trat er in der ZDF-Sendung „Drehscheibe“ auf. Die Hitparadenplazierung in Österreich nahm Jürgen Wagner zu jenem Zeitpunkt gar nicht wahr: „Ich  wusste nichts von einer Hitparadenplazierung. Ich ahnte aber, dass wir erfolgreich waren, weil ich sackweise Fanpost bekam. Die Zuschriften kamen oft aus Österreich und Süddeutschland. Dort war der Erfolg am grössten.“
In Norddeutschland lief der Verkauf schlechter. Dieses Nord-Süd-Gefälle bei den Verkäufen dürfte der Grund sein, dass „ Majorie“ in Deutschland den Einstieg in die Charts nicht schaffte.
Der Erfolg von „Majorie“ konnte Jürgen Wagner nicht bewegen, voll auf die Karte Schaugeschäft zu setzen. Es dauerte deshalb einige Zeit, bis Ronny eine zweite Single mit ihm einspielte. Im Herbst 65 erschien die Single „Weine nicht, my Darling“. Die B-Seite enthält das Lied „Ihr Mädchen, so schön“. Dieser Titel soll laut Wagner ursprünglich als A-Seite geplant gewesen sein. Weil aber –immer laut Wagner- die gleiche Melodie mit dem gleichen Text zur gleichen Zeit auch von Jürgen Herbst auf Platte gepresst werden sollte, plazierte Ronny die Nummer auf die B-Seite. Nach meinen Abklärungen hat Herbst den Titel nie auf Platte veröffentlicht. Hingegen hat ihn Ronny selbst aufgenommen und 1965 auf dem Album „Ueber Länder und Meere“ veröffentlicht. Laut Wagner handelt es sich bei „Ihr Mädchen, so schön“ um eine Adaption der russischen Volksweise „Die zwölf Räuber“. Ronny hat diese Melodie später auch dem Titel „Er war nur ein armer Zigeuner“ unterlegt, den er 1968 auf Single veröffentlichte. Wagners zweite Single floppte. Damit schien die Plattenkarriere des Jürgen Wagner beendet.
Kein Bock auf Heino-Ersatz
Es war der Erfolg des jungen Heino, der Ronny auf Jürgen Wagner zurückgreifen liess. Heino hatte mit Volk- und Fahrtenliedern unter Produzent Ralf Bendix 1966 für Aufmerksamkeit gesorgt. Ronny erkannte das Hitpotential, das in den entstaubten Volksliedern lag. Er versuchte deshalb auf der gleichen Schiene eine Konkurrenz aufzubauen. Als Künstler hatte er Jürgen Wagner auserkoren. 1966 ging Ronny ein letztes Mal mit Jürgen Wagner ins Studio. Entstanden ist die Single „Glory, Glory, Halleluja“ mit der Rückseite „Muss wandern, muss wandern“.
Ronny hatte richtig spekuliert. „Glory, Glory, Halleluja“ erreichte im April die österreichischen Charts und schoss hoch bis Platz acht. Es war Ronnys zweiter Chartserfolg als Produzent. Ronny wollte nun Jürgen Wagner zu einem zweiten Heino aufbauen. Wagner sollte alte deutsche Volks- und Wanderlieder aufnehmen. Dazu kam es nicht. Wagner weigerte sich. Im Interview mit dem Schweizer Sender Radio Munot in Schaffhausen sagte er: „Ich sollte alte Wander- und Soldatenlieder aufnehmen. Dieses Liedgut erinnerte mich an eine Zeit, die ich nicht in guter Erinnerung hatte. Da wollte ich nicht mittun, weshalb ich mich in der Folge auf meinen Beruf als Gastwirt konzentrierte.“
Ronny wandte sich danach einem neuen Projekt zu: Heintje. Mit dem Kinderstar feierte Ronny seinen grössten Erfolg als Produzent. Wagner führte bis mitte der 890er Jahre eine Gaststätte in Bremen. Er lebt heute als Rentner in Bremen.
Mit Freundlicher Genehmigung von Wälz Studer

10.03.1930 - 18.08.2011

Jürgen Wagner (Wolfgang Christiansen)